116 117 oder 112? Die richtige Nummer im Ernstfall
Die kurze Regel
112, wenn Leben oder Organfunktion bedroht sein könnten.
116 117, wenn Sie ärztliche Hilfe brauchen, aber kein Notfall vorliegt und die Praxis zu hat.
Im Zweifel: 112. Die Einschätzung ist Aufgabe der Leitstelle, nicht Ihre.
🔴 Sofort 112
- Brustschmerz oder Druckgefühl, länger als wenige Minuten – auch mit Ausstrahlung in Arm, Rücken, Hals, Kiefer oder Oberbauch
- plötzliche Atemnot
- Lähmung, Taubheit, hängender Mundwinkel, Sprachstörung, plötzliche Sehstörung – jedes einzelne Zeichen genügt
- Bewusstlosigkeit oder zunehmende Bewusstseinstrübung
- Krampfanfall, besonders erstmalig oder länger als fünf Minuten
- starke Blutung, die sich nicht stillen lässt
- schwerer Unfall, Sturz aus Höhe, Verdacht auf Wirbelsäulenverletzung
- allergische Reaktion mit Atemnot, Schwellung im Gesicht oder Hals
- Vergiftung
- Säugling unter drei Monaten mit Fieber, ein Kind, das schwer weckbar ist oder angestrengt atmet
- Hautausschlag, der sich unter Glasdruck nicht wegdrücken lässt
Warum Zögern das größere Risiko ist
Bei Herzinfarkt und Schlaganfall entscheidet Zeit darüber, wie viel Gewebe erhalten bleibt. Der häufigste Fehler ist nicht der überflüssige Notruf – es ist die Stunde, die vergeht, weil jemand niemanden bemühen wollte oder abwarten wollte, ob es besser wird.
⚠️ Beschwerden können untypisch sein. Beim Herzinfarkt gilt das besonders für Frauen, ältere Menschen und Menschen mit Diabetes: Übelkeit, Oberbauchschmerz, Atemnot oder ausgeprägte Schwäche ohne Brustschmerz kommen vor.
🟠 116 117 – ärztlicher Bereitschaftsdienst
Zuständig, wenn die Praxis geschlossen hat und es nicht bis zum nächsten Werktag warten kann: abends, nachts, am Wochenende, an Feiertagen. Erreichbar rund um die Uhr, bundesweit, kostenfrei.
Typische Anlässe: hohes Fieber, starke Schmerzen, Erbrechen und Durchfall mit Schwäche, Harnwegsinfekt, Verschlechterung einer bekannten Erkrankung, dringend benötigtes Rezept für ein Dauermedikament.
Die Leitstelle entscheidet, was folgt: Beratung am Telefon, Termin in einer Bereitschaftspraxis oder ein Hausbesuch.
Über dieselbe Nummer läuft auch die Terminservicestelle, die dringende Facharzttermine vermittelt – eine andere Funktion, dieselbe Nummer.
🟢 Ihre Praxis
Für alles Übrige – und als erste Adresse, wenn Sie unsicher sind, ob etwas ernst ist. Viele Praxen haben eine telefonische Sprechzeit für genau solche Fragen.
Was Sie beim Notruf sagen
Die alten Merksätze mit fünf W-Fragen helfen weniger als dieser Hinweis: Die Leitstelle fragt Sie durch. Sie müssen nichts auswendig können.
Wichtig ist nur:
- Wo – die genaue Adresse. Das ist die entscheidende Information. Wenn Sie unterwegs sind: Straße, Hausnummer, Ort, markante Punkte, Kilometerangabe auf der Autobahn.
- Was ist passiert
- Wie viele Betroffene
- Welche Beschwerden
Legen Sie nicht auf, bevor die Leitstelle das Gespräch beendet. Oft werden Sie am Telefon angeleitet – bei einer Wiederbelebung zählt jede Sekunde, und diese Anleitung rettet Leben.
Nicht selbst fahren
Bei Verdacht auf Herzinfarkt oder Schlaganfall ist die eigene Fahrt zur Klinik gefährlich: Der Zustand kann sich unterwegs verschlechtern, und im Auto kann niemand behandeln.
Ein Rettungswagen beginnt die Behandlung sofort, überträgt bei Bedarf ein EKG voraus und meldet Sie in einer geeigneten Klinik an. Das kann bedeuten, dass Sie an der nächstgelegenen Notaufnahme vorbeifahren – zu einer, die die richtige Behandlung anbietet.
Die Notaufnahme ist keine Abkürzung
Wer mit einem Anliegen kommt, das kein Notfall ist, wartet dort lange und hinter allen dringenderen Fällen – zu Recht. Für nicht-dringende Beschwerden außerhalb der Sprechzeiten ist die 116 117 der schnellere Weg.
Griffbereit halten
Ein Zettel an der Wohnungstür oder im Portemonnaie, mit:
- Medikationsplan
- Allergien
- wichtige Vorerkrankungen
- Kontakt für den Notfall
- Angaben zu Patientenverfügung und Vollmacht, falls vorhanden
Im Ernstfall spart das Minuten, in denen sonst jemand suchen müsste.
Dieser Beitrag hilft bei der Einordnung. Er ersetzt keine ärztliche Untersuchung; bei Verdacht auf einen Notfall wählen Sie ohne Umweg die 112.
- Wann wähle ich die 112 und wann die 116 117?
- Die 112 bei Verdacht auf einen lebensbedrohlichen Zustand – Brustschmerz, Atemnot, Lähmung oder Sprachstörung, Bewusstseinsstörung, schwere Blutung, Krampfanfall. Die 116 117, wenn Sie ärztliche Hilfe brauchen, aber kein Notfall vorliegt und die Praxis geschlossen hat. Im Zweifel wählen Sie die 112.
- Ist es schlimm, die 112 zu wählen, wenn es doch kein Notfall war?
- Nein. Die Einschätzung ist Aufgabe der Leitstelle, nicht Ihre. Deutlich häufiger und folgenreicher ist der umgekehrte Fehler: zu langes Warten bei Herzinfarkt oder Schlaganfall, weil man niemanden bemühen wollte. Bei diesen Erkrankungen entscheidet Zeit über bleibende Schäden.
- Was muss ich beim Notruf sagen?
- Wo es passiert ist – die genaue Adresse ist das Wichtigste –, was passiert ist, wie viele Personen betroffen sind und welche Beschwerden bestehen. Legen Sie nicht auf, bevor die Leitstelle das Gespräch beendet. Oft werden Sie am Telefon zu Erste-Hilfe-Maßnahmen angeleitet.
- Wann gehe ich in die Notaufnahme, wann rufe ich an?
- Bei den Warnzeichen für einen Notfall rufen Sie an, statt selbst zu fahren – ein Rettungswagen beginnt die Behandlung sofort und meldet Sie an. Selbst fahren ist bei akuten Beschwerden riskant. Bei weniger dringenden Problemen außerhalb der Sprechzeiten ist die 116 117 der richtige Weg; sie verweist bei Bedarf an eine Bereitschaftspraxis.